1. Preis Fritz Schiel (München): „We Need Peace“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Bild überzeugte alle Beteiligten vollkommen. Es entstammt der klassischen Reportage-Fotografie. „Fotografieren bedeutet, den Kopf, das Auge und das Herz auf dieselbe Visierlinie zu bringen“, definierte einst Henri Cartier-Bresson (1908-2004) die Leitlinien für die Fotografie, bei der alles auf den „entscheidenden Augenblick“ abzielt. Genau diesen perfekten Moment hat Fritz Schiel festgehalten: Die Komposition ist ausgewogen, wirkt dabei aber unverfälscht und spontan. Der frontale, direkte Blick der Hauptperson zum Betrachter und das einfach gestaltete Transparent sprechen unmittelbar an. Das Statement „We Need Peace“ („Wir brauchen Frieden“) ist prägnant, die Szene absolut aktuell – die Personen tragen bereits einen Mund-Nasen-Schutz. Die im Hintergrund angedeuteten Propyläen lassen auf den Königsplatz schließen. Im Herbst 2018 hatte hier Walter Kuhn 3000 Mohnblumen als Friedenssymbole aufgestellt. Somit spannt sich in der Arbeit der Bogen von den Münchner zu den Penzberger Mahnblumen.

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2. Preis: Marie Beyerle (Penzberg): „Stummer Schrei“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fotografie ist in ihrer Drastik kaum zu überbieten. Entsetzen wird hier greifbar und zugleich symbolisch eingebunden: Die Frau unter Wasser, deren Schrei nicht bis zur Oberfläche durchdringt und deren Not nicht wahrgenommen oder gehört wird, kann auch als Ausdruck der Erschütterung über die NS-Morde (nicht nur) in Penzberg interpretiert werden. Über derartige Verbrechen konnte oder durfte man sich damals nicht äußern, ohne sich in Gefahr zu begeben. Die traumatischen Erfahrungen, oft bis heute mehr oder minder unterschwellig vorhanden, schwingen in dem Bild mit. Die Inszenierung der Szene sowie die ästhetische Abstrahierung der Thematik ist ausgesprochen gelungen, fototechnisch ist die Schwarz-Weiß-Aufnahme hervorragend.

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3. Preis: Thomas Bischoff (Penzberg): „Mahnwiese“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Bild ist eine stimmungsvolle Umsetzung des Themas mit Bezügen sowohl zum Ausstellungsprojekt als auch zu Penzberg. Die drei eingeblendeten Worte Mahnung, Gedenken und Frieden, gut ausgearbeitet in ihrer farblich-inhaltlichen Entsprechung, wurden mit den jeweiligen Symbolen kombiniert: mit dem Penzberger Mahnmal von Nikolaus Röslmair aus dem Jahr 1948, mit dem dezent angedeuteten Schattenkreuz, das die Form der Friedhofskreuze für die Mordnachtopfer aufnimmt, und mit der roten Mohnwiese. Dabei verlegt der Fotograf das vom Kreuz hinterfangene Mahnmal ins Bildzentrum vor die leuchtenden Blüten. Die Symbolik ist eindeutig und überzeugend gestaltet.

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1. Sonderpreis: Hans März (Penzberg):

„Ludwig März 1897-1945. Zerstörtes Bild – Zerstörtes Leben. Leben und Tod in einem Bild.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Angesprochen hat diese Arbeit durch die künstlerische Umsetzung mit höchst einfachen, doch überzeugenden Mitteln – Aquarellfarben auf Fotografie – und durch die Geschichte hinter diesem Bild. Der Gezeigte, Ludwig März, ist eines von 16 Penzberger Mordopfern. Der Wettbewerbsteilnehmer beschreibt als Kommentar zu seiner Einreichung seine Beweggründe und den Kontext kurz und treffend, stellvertretend für ähnliche Situationen, die viel durchleben mussten: „Mein Name ist Hans März. Ludwig März war der Bruder meines Großvaters. Als fünfjähriges Kleinkind erlebte ich das Drama mit, als die Verwandten in der Stube saßen und einer sagte: ,Unser Ludwig ist tot.‘ Verstehen konnte ich das nicht so richtig.“

 

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2. Sonderpreis: Ludwig Brettner (Penzberg): „Wie oft noch“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fotografie zeigt den oberen Teil eines in die Jahre gekommenen Kruzifixes in Nahsicht. Starke Kontraste, kräftiger Schattenwurf und die leicht schräge Position bringen Spannung ins Bild. Der um das Kreuz gelegte Strick als Symbol für die Mordopfer ist ein leises, doch erschütterndes Motiv. Der Fotograf schreibt selbst dazu: „Das abgebildete Kruzifix gehörte Sebastian Tauschinger, einem Überlebenden der Penzberger Mordnacht, der es meinem (verwandten) Vater kurz vor seinem Tod schenkte“.